Presseartikel
„Wohlfühlzone auf vier Rädern“

 

Presse: „Wohlfühlzone auf vier Rädern“

(Dies ist ein Artikel von Clemens Gerlach aus der „Hamburger Wirtschaft“, erschienen in der Ausgabe 11/2018, http://hamburger-wirtschaft.de/pdf/112018/42/index.html#zoom=z)

 

Die Firma Elektrosil hat schon viele Innovationen im Autobereich entwickelt. Mit der neuen Klimasitzautomatik glückte nun ein Patent, das Fahren noch komfortabler und energiesparender machen soll.

Ohne seine Entwickler ist Hendrik Niemann aufgeschmissen. „Die Kollegen sind wirklich erfinderisch“, sagt der 40-Jährige, der bei der Elektrosil Systeme der Elektronik GmbH den Bereich Automotive leitet. „Ich staune immer wieder, was denen alles einfällt.“

Einer der findigen Tüftler war sogar mal Unterstützer bei einer Ausgabe der ZDF-Kultsendung „Wetter, dass..?“. Mit Pfeil und Bogen schoss damals ein moderner Robin Hood auf Brotscheiben die aus einem vom Elektrosil-Techniker aufgemotzten Toaster hoch gen Hallendecke geschleudert wurden.

Niemanns Faible sind Patente. Ende Mai wurde sein insgesamt 18. seit 2013 veröffentlicht, eingereicht hatte er es im November vor zwei Jahren. Vom Innovations- und Patent-Centrum (IPC) in der Handelskammer Hamburg wurde es zum Patent des Monats gekürt. „Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Klimatisierung eines Aufenthaltsbereiches einer Person mit einem Klimatisierungsmodul“, steht im amtlichen Patentantrag. Niemann sagt es so: „Wir wollen, dass es der Autofahrer in seinem Sitz möglichst angenehm hat.“ Die Wohlfühl- und Komfortzone auf vier Rädern eben.

„Es macht mir Spaß, Patente anzumelden. Ich mag es, meinen Horizont zu erweitern und etwas Neues zu schaffen“, sagte der Wirtschaftsingenieur. Mit dem festen Vorsatz, eine Erfindung zu machen, geht Niemann jedoch nicht an seine Arbeit heran: „Ich beobachte lange, bespreche mich mit Kollegen. Aber letztendlich basiert es darauf, dass ich über Nacht einen Geistesblitz habe.“

Seit zwölf Jahren arbeitet Niemann für die 125 Mitarbeiter zählende Unternehmensgruppe aus Hamburg-Altona, die in der Medizintechnik und bei Verkaufsautomaten sehr aktiv ist. Zuletzt wuchs Elektrosil kräftig im Automotiv-Bereich. 40 Prozent des Gesamtumsatzes macht die 1977 gegründete und noch immer inhabergeführte Mittelstandsfirma dort – Tendenz steigend. Zu den Abnehmern der Produkte wie Lüfter, Steuerungsteile und Displays zählen Volkswagen, BMW oder Daimler.

Niemann war vorher bei EBM-Papst tätig, dem deutschen Marktführer für Lüfter. Autos besser zu machen ist seine Leidenschaft. Doch Motorleistung oder Geschwindigkeit interessieren Niemann wenig. „Es nützen Ihnen 200 PS nichts, wenn Sie im Stau stehen.“ Das Ziel des gebürtigen Lüneburgers, der bei Elektrosil zuerst Produktmanager für Lüfter und Ventilatoren war, ist ein intelligentes und vernetztes Fahrzeug.

Seine weltweit zum Patent angemeldete Klimasitzautomatik hilft dabei, die Herausforderung zu meistern. „Es wird nicht mehr das ganze Auto klimatisiert, sondern ein Klimakokon für Fahrer oder Beifahrer geschaffen“, erklärt Niemann. Ein vom Modul erzeugter Luftfilm umströmt den Fahrgast. „Denn Sitzkomfort ist ein wesentlicher Punkt“, weiß Niemann. Und wann sitzt man gut? „Wenn Sie nichts merken.“ Ohne Druckstellen, Schwitzen oder Nackenverspannungen.

Das von Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren gesteuerte System erkennt, wann den Wünschen der Passagiere entsprechend Wärme und wann Kälte eingebracht werden soll. Kollegen aus den Abteilungen Entwicklung und Konstruktion haben Niemann bei der Umsetzung unterstützt. „Das in den Sitz eingebaute System stellt sich permanent auf die Bedürfnisse des Fahrers ein, ohne dass er nachregeln muss“, sagte Niemann. Einsteigen, eigene Komfortzone wählen, und die Technik erledigt den Rest. „Das ist ein Novum-„ Und preislich wettbewerbsfähig sei die Erfindung auch noch. „Wir könne ja nicht auf blauen Dunst etwas entwickeln“, sagte Niemann.

Laut seinen Berechnungen bringt die neue Technik aufgrund ihrer Effizient fast 30 Prozent Einsparung bei der Energie. Vor allem für Elektro- und Hybridfahrzeuge ist dies wichtig, denn dadurch steigt deren Reichweite. „Verbrennungsmotoren wird es auch weiter geben“, sagt Niemann, „doch die Zukunft gehört dem E-Antrieb.“

Bis die Elektrosil-Erfindung in den Autos der großen Hersteller zu finden sein wird, dauert es jedoch noch etwas. „Ich rechne für 2025 damit“, sagt Niemann. „Es dauert so lange wegen der Vorlaufzeiten bei der Entwicklung neuer Autos.“ Dann jedoch können sich die Kunden über echten Komfort und ein behagliches Bordklima freuen. „Das teilautonome Fahren bringt viele Freiheiten“, verspricht Niemann, „Sie können zum Beispiel während der Fahrt lesen, Filme gucken, schlafen der etwas anderes tun, das Ihnen Freude bereitet.“ Drehbare Sitze werden häufig in den Modellen vertreten sein.

Doch Niemann will sich damit nich zufrieden geben, er denkt bereits über weitere Innovationen nach. Batteriekühlung etwa oder Belüftung von Brennstoffzellen bei den Fahrzeugen mit elektrischem Antrieb. „Mich motiviert der Umbruch“, sagt er. „Ich werde weiter danach schauen, welche Dinge sich neu kombinieren lassen.“

(Clemens Gerlach, Hamburger Wirtschaft, Ausgabe 11/2018, Trends, Seiten 42/43, http://hamburger-wirtschaft.de/pdf/112018/42/index.html#zoom=z)

 

 

 

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