Hendrik Niemann
20 Jahre bei Elektrosil

 

Interview Hendrik Niemann: 20 Jahre bei Elektrosil

 

Hendrik, du bist dieses Jahr seit 20 Jahren bei Elektrosil. Wie bist du damals zur Firma gekommen?

Beworben habe ich mich 2006 gar nicht. Ein damaliger Kunde hat mich der damaligen Esil-Geschäftsführung empfohlen, und die hat mich zu einem Gespräch eingeladen. Offensichtlich hat es beidseitig gepasst.

 

Du hast im Lüfterbereich angefangen, hast später die Elektromechanik und den Bereich Automotive geleitet, seit 2019 bist du Geschäftsführer. War früh klar, dass du Verantwortung übernehmen willst?

Ja. Ich habe 2006 schon mit der Motivation angefangen, langfristig Verantwortung zu übernehmen. Die Perspektive war also von Anfang an da, die konkreten Schritte haben sich dann über die Jahre ergeben.

 

2019 habt ihr das Unternehmen dann selbst übernommen, du gemeinsam mit Hannes Collenburg. Wie hast du diese Zeit erlebt?

Das war ein Management-Buy-out, der sich schon Ende 2018 angebahnt hatte. Die Zeit war sehr turbulent: Hannes und ich mussten den Kaufpreis komplex finanzieren und haben parallel mit drei Altgesellschaftern verhandelt. Es galt, alle unter einen Hut zu bekommen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Moment, als die Finanzierungszusagen aller Banken vorlagen.

 

Hannes Collenburg und Hendrik Niemann sind seit 2019 Geschäftsführer von Elektrosil.

 

Neben der Übernahme: Was waren für dich die wichtigsten Meilensteine in den 20 Jahren? Worauf bist du besonders stolz?

Ein früher und wichtiger Meilenstein war 2007 die erste OEM-Nominierung für eine Sitzklimatisierung. Damit haben wir den Grundstein für unser heutiges Automotive-Geschäft gelegt.

Was in den 20 Jahren daraus geworden ist, zeigen die Zahlen: 2006 waren wir 15 Leute bei knapp 7 Millionen Euro Umsatz, heute sind wir 68 bei 80 Millionen.

Besonders freut mich, dass sich dabei mein gesamtes Umfeld positiv entwickelt hat und die Rückschläge klein geblieben oder ganz ausgeblieben sind.

 

Gibt es eine Geschichte aus den 20 Jahren, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

2011 war ich mit einem Kunden in einer Bar in China, wir waren wegen eines Antriebstechnik-Projekts im Bereich Home Appliance unterwegs. Nach zwei Bier erzählte der Kunde von den Herausforderungen bei einem Temperatursensor. Den Besitzer der Bar kannte ich gut: ein ehemaliger Elektrosil-Mitarbeiter, der neben der Bar auch eine Kabelfabrik betrieb. Beim dritten Bier habe ich die beiden einander vorgestellt, und das Projekt kam ins Rollen.

Den Temperatursensor liefern wir bis heute, inzwischen sind es mehrere Hunderttausend Stück.

Aus dem eigentlichen Motorprojekt ist übrigens nichts geworden. So kann es gehen: Manchmal setzt sich nicht das Offensichtliche durch, sondern eine ganz andere Lösung.

 

Heute führst du Elektrosil zusammen mit Hannes, der dieses Jahr seit zehn Jahren fest im Unternehmen ist. Wie teilt ihr euch die Aufgaben?

Aufgaben zu teilen ist nicht direkt unser Ansatz. Wir haben eher Schwerpunkte, die wir besetzen und verantworten: Ich fühle mich in Vertrieb und Technik wohl, Hannes fokussiert stärker auf Finanzen und Operations. Wir ergänzen uns jeden Tag sehr gut und stimmen uns zu allen Themen eng ab.

 

Was macht dir am meisten Spaß in deinem Job?

Ich mag es zu gestalten und Dinge voranzubringen. Highlights sind immer die Momente, in denen wir uns wieder ein Stück weiterentwickelt haben. Das können kleine Dinge sein, aber genauso ein neu gewonnenes Projekt.

 

Die Automobilbranche verändert sich gerade grundlegend, weg vom Verbrenner. Ist das für dich eine Bedrohung, eine Herausforderung oder eine Chance?

Jede Veränderung bringt große Chancen mit sich, und ich sehe Elektrosil gut aufgestellt, um darauf zu reagieren. Aktuell profitieren wir von der Elektrifizierung des Antriebsstrangs: Mit mehr Elektronik im Fahrzeug wächst der Markt für Produkte aus unserem Portfolio.

 

Was sind für dich die Themen der nächsten Jahre? Wo siehst du Umbrüche am Horizont?

Vorweg: Ich freue mich auf die Zukunft, weil ich Veränderungen und Herausforderungen mag. Die Geschwindigkeit der Veränderung ist gerade sehr hoch, und ich genieße es, um diese Umbrüche herum zu planen und die Chancen daraus zu nutzen.

Was ich jetzt schon sehe: Wir werden deutlich internationaler und sind mit unseren Kunden in der ganzen Welt präsent. Auch unser Produktportfolio wird künftig deutlich breiter sein, sodass wir die Chance haben, in vielen Bereichen kein Nischenanbieter mehr zu sein.

 

Und wo steht Elektrosil in zehn Jahren?

Die Welt der Elektronik und Elektromechanik bleibt uns erhalten, und durch unsere Agilität werden wir dort ein ernstzunehmender Anbieter sein.

 

Zum Schluss: Was würdest du dem Hendrik von 2006 heute mit auf den Weg geben?

Bleib so motiviert und engagiert. Und werde viel gelassener.